Christlicher Gesundheitskongress Christlicher Gesundheitskongress

Kommentar zur fachlichen Qualität der Christlichen Gesundheitskongresse

Hohe fachliche Qualität der Christlichen Gesundheitskongresse

Ein Blick in die Themen- und Referenten-Auswahl der Christlichen Gesundheitskongresse lohnt sich. Auch wenn vereinzelt Vertreter der anti-kirchlichen Szene im Internet anderes suggerieren wollen: Die Christlichen Gesundheitskongresse zeigen durchweg eine hohes fachliches und wissenschaftliches Niveau. Dies bestätigt Dr. Georg Schiffner, Facharzt für Innere Medizin, Geriatrie und Palliativmedizin, Chefarzt am Wilhelmsburger Krankenhaus Gross-Sand, einem akademischen Lehrkrankenhaus der Universität Hamburg, der wissenschaftlicher Leiter des 5. Christlichen Gesundheitskongresses ist. 

Dr. Schiffner: Die Christlichen Gesundheitskongresse unterstreichen die Bedeutung christlicher Ethik und Werte sowie christlich motivierter Forschung und Tätigkeit in unserem deutschen Gesundheitswesen. 

Aus wissenschaftlicher Sicht muss es als erwiesen angesehen werden, dass Religiosität und Spiritualität einen relevanten und meist positiven Einfluss auf Krankheits- und Gesundheitsverläufe haben. Hierzu findet sich exemplarisch eine gute Zusammenstellung im „Handbook of religion and health“[1]  der Arbeitsgruppe um den renommierten Mediziner Prof. Harald Koenig von der Duke-University, welches weltweit zu den besten Übersichtsarbeiten zur Thematik gehört. Dort sind ca. 2.800 wissenschaftliche Studien zur Thematik akribisch ausgewertet, differenziert beurteilt und zusammengefasst. Dabei  ist zu beachten, dass je besser die Studienqualität in den zurückliegenden Jahren geworden ist, sich eine umso höhere Evidenz für diesen positiven Zusammenhang zeigt. Ein besonderes Interesse der Forschung gilt jetzt der Thematik, welche Aspekte von Religiosität und Spiritualität gesundheitsfördernd und welche möglicherweise schädigend sein könnten. Hier kommen viele praktische Aspekte der Religionsausübung mit in die aktuellen Forschungen hinein.  

In Deutschland besteht aus wissenschaftlicher Sicht erheblicher Nachholbedarf in der Einbeziehung der spirituellen Dimension des Menschen in die Medizin. Hierzu sei ebenfalls exemplarisch auf den Lehrstuhl für Spiritual care an der Ludwig-Maximilian-Universität im Bereich der Palliativmedizin verwiesen mit u.a. Erarbeitung von praktischen Aspekten der spirituellen Anamneseerhebung. Im deutschsprachigen Raum wären weiterhin die Professuren für Spiritual care an den Universitäten in Zürich und Bern zu nennen. In den USA ist es aufgrund der Evidenzlage seitens der medizinischen Fachgesellschaften regelhaft gefordert, bei schwerer erkrankten Patienten als Arzt eine spirituelle Anamnese zu erheben und im Gesundheitswesen eine entsprechende Stützung zu vermitteln. Spiritual care wird dort an den medizinischen Fakultäten gelehrt. Inzwischen sind die Krankenhäuser auch gesetzlich verpflichtet worden, bei ihren Patienten eine spirituelle Anamnese durchzuführen. [2]

In verschiedenen deutschen ärztlichen Fachgesellschaften gibt es inzwischen Arbeitsgruppen / Referate zu „Religiosität und Spiritualität“ (z.B. Dt. Gesellschaft für Psychiatrie u. Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde DGPPN oder Dt. Gesellschaft für Palliativmedizin DGP). Eine aktuelle Zusammenfassung des wissenschaftlichen Erkenntnisstandes mit praktischen Konsequenzen ist z.B. im Magazin der DGPPN 3/2015 erschienen, dessen Autor und Leiter des DGPPN-Referates „Religiosität und Spiritualität“ Prof. M. Utsch regelhaft Referent beim Christlichen Gesundheitskongress ist. Auch der Leiter des Forschungsinstitutes „Spiritualität und Gesundheit“, Dr. med. Rene Hefti, Dozent für psychosomatische Medizin an der Universität Bern, ist wiederholt und auch 2016 Referent beim Christlichen Gesundheitskongress.

In Deutschland gehören weit über die Hälfte der Bevölkerung einer christlichen Kirche an. Mit der flächendeckenden Struktur kirchlich-gemeindlicher Versorgung haben wir ein umfassendes Sozialsystem, in das der größere Teil unserer Bevölkerung integriert ist oder – auch bei nicht bestehender Kirchenmitgliedschaft – Angebote nutzt. Somit kommt der christlichen Glaubenspraxis bereits zahlenmäßig eine herausragende Bedeutung zu, die eine wissenschaftliche und praktische Beschäftigung mit der Vernetzung zwischen Gesundheitswesen und Kirchengemeinden im Rahmen von Fortbildungen für Gesundheitsberufe begründen. 

Darüber hinaus ist die christliche Ethik  im deutschen Gesundheitswesen fest verankert und Maßstab für eine sehr große Anzahl von Mitarbeitenden. Hier gilt es – insbesondere unter dem Einfluss profit-orientierter Marktwirtschaft -  kontinuierlich und wissenschaftlich–ethisch begründet Fortbildung aus dem christlichen Geist heraus zu gestalten. Dabei sind gerade auch Themen mit Weitblick – z.B. zur Zukunft unseres Gesundheitswesens, zur Verantwortung für christlich-ärztliches Handeln in einer globalen Welt oder zur Bedeutung seelischer Gesundheit für unsere Gesellschaft von Bedeutung, wie sie im Plenum des 5. Christlichen Gesundheitskongresses referiert werden. Ebenso die Frage, welche Formen von Religiosität und Spiritualität hilfreich und welche gefährdend für die Gesundheit unserer Patienten oder das Arbeitsklima von Krankenhauses und Praxis sind, hat eine hohe Bedeutung in ethischer und medizinischer Hinsicht. [3]
Die Themen aus dem Seminar- und Plenumsbereich [4] sind eng mit der täglichen Berufsausübung im Gesundheitswesen verbunden, z.B. die Seminarthemen „Das Gespräch zwischen Arzt und Patient – auch bei schlechten Nachrichten“ (308), „Spirituelle Anamnese – ein erweiterter Zugang zu unseren Patienten“ (307), “Wenn kleine Kinder sterben…“ (306), „Prüfungsstress, Schlafstörungen, Burn-out- Syndrome…“ (316), „…warum Supervision im Gesundheitswesen unverzichtbar ist“ (319), „Welche pränatalen Tests sind gerechtfertigt?“ (320), „Mentoring für Berufsanfänger“ (120) usw.
Auch die Themen der Seminarrubrik „Gemeinde – Theologie“ sind überwiegend mit unserem Auftrag im Gesundheitswesen verbunden, wie z.B. an den Seminarthemen deutlich wird „Kultursensibler Umgang mit muslimischen Patienten“ (309), „Mir fehlen die Worte – vom hilfreichen Umgang mit Trauernden“ (310), „Menschen mit depressiven Störungen in Kirchengemeinden. Wege heilsamer Begleitung und Seelsorge“ (311) usw.  

Die Plenumsvorträge und interaktiven Diskussionsformen haben ebenfalls große Bedeutung für die Fortbildung. So werden thematisiert in Plenum 1 - Zukunftsperspektive unseres Gesundheitswesens, medizinische Verantwortung in der globalen Welt, Bedeutung seelischer Gesundheit; Plenum 2 - Gestaltung christlicher Werte und Ethik durch Mitarbeiter des Gesundheitswesens (Mitarbeiterverantwortung); Plenum 3 - Gesundheitsförderung in Gemeinden; Plenum 4 - Gestaltung christlicher Werte und Ethik durch Institutionen im Gesundheitswesen (Organisationsverantwortung); Plenum 5 - Christliche Ethik in Grenzsituationen des Lebens (Patientenverantwortung).

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Christlichen Gesundheitskongresse einen wichtigen Beitrag zur fachlichen und wissenschaftlichen Fortbildung in Gesundheitswesen und Kirche unseres Landes leisten.

Dr. med. Georg Schiffner
Facharzt für Innere Medizin, Geriatrie und Palliativmedizin
Chefarzt Geriatriezentrum und Palliativbereich Wilhelmsburger Krankenhaus Groß-Sand

[1] Handbook of religion and health, Edition 2012, Oxford-Press
[2] Diese Verpflichtung wird den Kliniken von der Joint Commission for the Accreditation of Hospital Organizations (JCAHO) vorgegeben. Aus: H. Koenig, Spiritualität in den Gesundheitsberufen, S.7, Kohlhammer-Verlag 2012
[3] Vergleichbare Themen werden u.a. von der Akademie für Ethik in der Medizin, Göttingen angeboten - selbstverständlich auch wie beim Christlichen Gesundheitskongress in Zusammenarbeit von Medizinern und Theologen sowie weiteren Akademikern.
[4] Die genannten Themen werden auf dem 5. Christlichen Gesundheitskongress vom 14.-16.4.2016 in Kassel referiert. Die Angaben in Klammern beziehen sich auf die Seminar-Nummern im Programmheft.

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